Gold – der ewige Wert oder eine verstaubte Anlage?
Gold begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden als Wertaufbewahrungsmittel. Aber ist es auch im modernen Portfolio ein sinnvoller Baustein? Die Meinungen gehen extrem auseinander. Die einen schwören auf Gold als "ultimativen Inflationsschutz", die anderen sehen es als renditeloses Relikt aus vergangenen Zeiten.
Ich selbst halte etwa 8 % meines Gesamtdepots in Gold. Nicht weil ich einen Crash erwarte, sondern weil Gold in Krisen eine andere Rolle spielt als Aktien oder Anleihen. Es ist der Portfolio-Versicherung am nächsten, was man als Privatanleger bekommen kann.
Die Performance: Gold vs. Aktien
Schauen wir uns die nackten Zahlen an. Seit 1970 hat der MSCI World eine durchschnittliche jährliche Rendite von etwa 8 % erzielt. Gold kommt im selben Zeitraum auf etwa 6,5 % pro Jahr. Gold hat also nicht besser abgeschnitten als Aktien, aber es war deutlich weniger volatil.
Interessant wird es in Krisenzeiten: In den Jahren 2000-2002 (Dotcom-Crash) stieg Gold um 30 %, während Aktien massiv fielen. 2008 verlor Gold nur 5 %, während der Aktienmarkt um 40 % einbrach. 2022 war Gold nahezu stabil, während Anleihen und Aktien gleichzeitig fielen.
Das macht Gold zu einem perfekten Diversifikator. Nicht wegen der Rendite, sondern wegen des Krisenschutzes.
Ist Gold wirklich ein Inflationsschutz?
Diese Frage ist differenziert zu beantworten. In den 1970ern, als die Inflation zweistellig war, explodierte der Goldpreis von 35 auf 850 US-Dollar – ein fantastischer Inflationsschutz. In den 2010ern hingegen, als die Inflation niedrig war, stieg Gold trotzdem von 1.000 auf 2.000 Dollar.
Die Wahrheit: Gold schützt weniger vor normaler Inflation (2-3 %) als vor Währungsverfall und Systemkrisen. Wenn Zentralbanken Geld drucken, was sie in Krisen immer tun, steigt der Goldpreis. Gold ist also eher eine Wette auf steigende Geldmenge als auf steigende Verbraucherpreise.
Physisches Gold vs. Gold-ETCs
Für Privatanleger gibt es zwei Wege, in Gold zu investieren:
- Physisches Gold (Münzen, Barren): Du hast das Gold wirklich in der Hand. Kein Kontrahentenrisiko. Nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Nachteil: Aufbewahrung (Tresor/Schließfach), Spreads beim Kauf/Verkauf, keine Teilbarkeit.
- Gold-ETCs (Xetra-Gold, Euwax Gold II): Du kaufst ein Wertpapier, das durch physisches Gold gedeckt ist. Einfach handelbar, geringe Spreads, schon ab 1 Euro. Steuerlich: Xetra-Gold und Euwax Gold II sind nach einem Jahr ebenfalls steuerfrei. Nachteil: winziges Kontrahentenrisiko (Emittenten-Pleite).
Mein Tipp: Für Beträge unter 10.000 Euro sind Gold-ETCs die praktikablere Lösung. Für größere Summen oder als "Katastrophen-Schutz" macht physisches Gold Sinn.
Wie viel Gold ins Portfolio?
Die wissenschaftliche Literatur und die Erfahrung vieler Anleger zeigen: 5-15 % Gold im Portfolio reduzieren das Risiko, ohne die Rendite massiv zu schmälern. Die optimale Beimischung hängt von deiner Risikobereitschaft ab:
- 5 %: Minimaler Schutz, maximaler Renditefokus
- 10 %: Der Klassiker – reduziert die Volatilität spürbar
- 15 %: Konservativ – gut für Anleger kurz vor der Rente
Fazit: Gold gehört ins Portfolio – aber in Maßen
Gold ist kein Rendite-Wunder und kein reiner Inflationsschutz. Aber es ist ein hervorragendes Portfolio-Stabilisierungsinstrument. Es senkt die Volatilität, schützt in Krisen und läuft invers zu Zinsen und Anleihen. Für jeden langfristigen Anleger sind 5-10 % Gold eine sinnvolle Ergänzung – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Disclaimer: Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr.
Häufig gestellte Fragen zu Gold als Geldanlage
Ist Gold eine gute Absicherung gegen Inflation?
Die Antwort ist differenziert. In Phasen hoher Inflation (wie den 1970ern) hat Gold sehr gut performt. In moderaten Inflationsphasen (2-3%) schneiden Aktien jedoch besser ab. Gold schützt eher vor Währungsverfall und Systemkrisen als vor normaler Inflation.
Soll ich physisches Gold oder Gold-ETCs kaufen?
Für langfristige Anleger ist physisches Gold (Münzen oder Barren) oft die bessere Wahl, da es kein Kontrahentenrisiko gibt. Gold-ETCs wie Xetra-Gold oder Euwax Gold II eignen sich besser für häufiges Handeln oder kleine Beträge unter 1.000 Euro.
Wie viel Gold sollte im Portfolio sein?
Die meisten Experten empfehlen 5-15% des Gesamtdepots in Gold. Für absolute Einsteiger reichen 5%. Gold soll das Portfolio stabilisieren und in Krisen schützen, aber die Rendite kommt primär von Aktien und ETFs.
Wie wird Gold in Deutschland besteuert?
Physisches Gold ist nach 1 Jahr Haltedauer steuerfrei verkaufbar (Spekulationsfrist). Gold-ETCs, die kein physisches Gold verbriefen, unterliegen der Abgeltungsteuer. Xetra-Gold und Euwax Gold II sind nach einem Jahr steuerfrei.